Sharrows bzw. gemeinsame Fahrstreifen

Sharrows bzw. gemeinsame Fahrstreifen sind eine integrative Form der Radverkehrsführung. Dies bedeutet: es gibt keinen Radweg, keinen Schutzstreifen oder sonstigen abgegrenzten Verkehrsraum für Radfahrer. Stattdessen werden auf der Fahrbahn Fahrrad-Piktogramme aufgebracht, um sowohl dem Kfz-Verkehr als auch den Radfahrern zu signalisieren, das Radler hier auf der Straße fahren sollen.

sharrow-neu-alser-web-20141101

Foto: Radkompetenz Österreich (radkompetenz.at)

Zum Einsatz kommt diese – in Deutschland bisher nur zu Versuchszwecken erlaubte – Form der Verkehrsführung, wenn der Verkehrsraum zu schmal ist, um Schutzstreifen oder Radwege anzulegen. Stattdessen sollen sich alle Verkehrsteilnehmer den Straßenraum teilen.

Damit soll erreicht werden, das

  • Radfahrer auf der Straße fahren statt auf dem Gehweg
  • Radfahrer sich von den Autos nicht bedrängt fühlen, sondern in einer angenehmen Geschwindigkeit und mit ausreichend Abstand zum Fahrbahnrand fahren
  • Autofahrer erkennen, das Radfahrer hier auf die Straße gehören und entsprechende Rücksicht geboten ist

Der Begriff Sharrow setzt sich zusammen aus share (teilen) und arrow (Pfeil). Als Markierung wird ein Fahrrad-Piktogramm sowie Richtungspfeile eingesetzt. Die Markierungen werden so angebracht, dass Radfahrer auf Höhe der Markierung fahren sollen. Heißt: wenn ein größerer Abstand zum rechten Fahrbahnrand angebracht ist (weil dort z.B. parallel Kfz parken), werden die Markierungen weiter Richtung Fahrbahnmitte aufgebracht, um die Radfahrer zu ermuntern, ausreichend Sicherheitsabstand einzuhalten.

Die Stadt Wien hat ein Pilotprojekt mit entsprechenden Piktogrammen in drei stark frequentierten Straßenzügen gestartet und dies evaluieren lassen. Die Studie „Wirkung von Fahrrad-Piktogrammen im Straßenverkehr“ zeigt sehr positive Ergebnisse: die Sicherheit des Rad- und Autoverkehrs wurde durch verbesserte Interaktion gesteigert, es kam zu einer Abnahme der Überholvorgänge sowie größeren Sicherheitsabständen der Autos beim Überholen.

Die Untersuchung konnte nachweisen, dass Fahrrad-Piktogramme und Richtungspfeile die Interaktion von Radverkehr und motorisiertem Verkehr verbessern. Der seitliche Sicherheitsabstand der Autos beim Überholen vergrößerte sich deutlich. Die Überholvorgänge nahmen um ein Drittel ab. Der größere Sicherheitsabstand beim Überholen bewirkt, dass sich die RadfahrerInnen sicherer fühlen. Auch der seitliche Sicherheitsabstand zum Fahrbahnrand beziehungsweise zum parkenden Fahrzeug ändert sich zugunsten des Radverkehrs. Alles das erhöht die Verkehrssicherheit. (it started with a fight…)

http://radkompetenz.at/cms/wp-content/uploads/2015/09/stadtwien_MA46_studie-piktogramme2015.pdf

Foto: Untersuchung der Wirkungen von Fahrradpiktogrammen auf das Verhalten von Rad- und AutofahrerInnen Schlussbericht

Fazit der Stadt Wien, MA 46: „Das Modell der in einem größeren Abstand vom Fahrbahnrand oder parkenden Autos angebrachten Fahrrad-Piktogramme hat sich bewährt. Sie wird in Wien auch an anderen Stellen zum Einsatz gelangen. Da auch beim Radfahren gegen die Einbahn der seitliche Sicherheitsabstand ein wesentlicher Faktor ist, wird er künftig auch dort Standard sein.“

In den USA, Kanada und Australien kommen Sharrows regelmäßig zum Einsatz und haben auch dort ähnliche Vorteile gebracht.

Die deutsche Straßenverkehrsordnung sieht die Hervorhebung einer gleichberechtigten gemeinsamen Nutzung durch MIV und Fahrrad dagegen nicht vor. Gleichwohl setzen auch in Deutschland einzelne Verkehrsbehörden Fahrradpiktogramme auf der Fahrbahn ein. So sollen beispielsweise in Trier (im Rahmen des dortigen Radverkehrskonzeptes) Sharrows zum Einsatz kommen: „Piktogramme auf der Fahrbahn sollen dort den Weg weisen, wo für separate Spuren und Streifen der Platz nicht reicht.“ (volksfreund.de) Auch in Frankfurt wurden in einem Pilotprojekt gute Erfahrungen mit sogenannten Piktogrammspuren gesammelt.

Im Radverkehrskonzept Schwäbisch Hall heißt es zu dieser Art der Verkehrsführung:

Dies soll insbesondere auf kurzen Straßenabschnitten als Lückenschluss einer sichereren Führung des Alltagsradverkehrs (für den Berufspendler) dienen, wo eine hohe Nutzungskonkurrenz mit dem Kfz-Verkehr besteht. […] Der Einsatz ist dort geplant, wo die Einrichtung von Schutzstreifen bzw. Radfahrstreifen nicht möglich sind. […]Die geplanten Markierungen „Fahrradpiktogramm“ sind im Zusammenhang mit der Straßenverkehrsordnung ohne rechtliche Bedeutung. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die Fahrradpiktogramme bei allen Verkehrsteilnehmern zu einer verstärkten Akzeptanz des Radverkehrs beitragen und vom Radverkehr als Führungshilfe angenommen werden. (RVK S. 132)

Für Schwäbisch Hall sehe ich dies als eine gute Möglichkeit an, um dem Radverkehr mehr Sicherheit zu geben. Teilweise lässt es der Verkehrsraum einfach nicht zu, extra Spuren für Radler anzulegen. Drum wurde beispielsweise in der Tüngeltaler Straße der Schutzstreifen nur einseitig aufgebracht, da die Straße für beidseitige Schutzstreifen zu schmal ist.

Oder die Situation in der Stuttgarter Straße zwischen scharfem Eck und Hotel Hohenlohe. Der schmale Verkehrsraum lässt keine Schutzstreifen zu. Aktuell fahren hier etwa 90 % der Radfahrer auf dem Gehweg (was nicht erlaubt ist). Mit Sharrows könnten die Radfahrer vielleicht dazu bewegt werden, doch die Straße zu nutzen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Radverkehrskonzept, Verkehrspolitik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s