Der unterfinanzierte Radverkehr

Maßnahmen für den Radverkehr sind im Vergleich zu Maßnahmen für den Kfz-Verkehr sehr günstig. Sowohl im Bau als auch im Unterhalt. Und es ist gesellschaftlich sinnvoller, den Radverkehr zu fördern, als weiterhin stark auf’s Auto zu setzen. Jeder gefahrene Kilometer mit dem Auto kostet die Gesellschaft Geld, es werden externe Kosten verursacht durch Abgase, Lärm, Bremsabrieb etc. Radfahrer hingegen ersparen der Gemeinschaft mit jedem gefahrenen Kilometer Geld! Es werden während der Fahrt keine Abgase produziert, es entsteht kaum Lärm, und vor allem erspart die Bewegung auf dem Rad Kosten im Gesundheitswesen!

Da sollte man doch meinen, der Radverkehr sollte angemessen finanziert werden. Dem ist leider nicht so.

Für 2016 waren in der Gemeinde Hall ursprünglich 150.000 Euro für den Radverkehr vorgesehen – für kleinere Baumaßnahmen, für Reparaturen, für den laufenden Betrieb. Größere Bauprojekte wie ein neuer Radweg würden extra finanziert werden und nicht aus dem allgemeinen Topf für den Radverkehr.

So war der Plan für 2016… das Budget wurde dann allerdings auf läppische 50.000 reduziert.

Was soll mit den 50.000 Euro alles finanziert werden? Beispielsweise das Zurückschneiden von Hecken und Sträuchern, Markierungsarbeiten, Austausch oder neues Anbringen von Schildern, neue Radständer, Bordsteinabsenkungen, Öffentlichkeitsarbeit wie der Tag des Radfahrens… es gibt viel zu tun, wenn das Thema Radverkehr ernsthaft angegangen wird. Und das mit einem Budget, das grade so für einen einzigen Mitarbeiter (der sich nur um den Radverkehr kümmert) ausreichen würde! Das nur mal zum Vergleich…

Für den Landkreis Hall waren für 2016 dagegen 150.000 Euro eingeplant – dies wurde für nächstes Jahr verdoppelt! 🙂 Wobei auch die 300.000 Euro in keinem Verhältnis zu den Millionen-Subventionen für den Kfz-Verkehr stehen…

In anderen Bereich wird viel – viiiel Geld – in die Hand genommen, um Baumaßnahmen zu finanzieren. Besonders wenn es um den Kfz-Verkehr geht. Und auch für den laufenden Betrieb wird jede Menge Geld für den Autoverkehr aufgewendet.

So verursachen allein die Parkhäuser in der Haller Innenstadt jährlich ein Defizit von 1-2 Millionen Euro! Betrieben von den Stadtwerken, die zu 100 % der Stadt gehören, wird das Kfz-Parken jährlich mit über 1 Million Euro subventioniert! Nur das Parken in der Innenstadt! So haben die städtischen Parkflächen 2014 einen Verlust von 1,5 Millionen Euro eingebracht. Okay, das Geld kommt nicht von der Stadt selbst, sondern durch Gewinne der Stadtwerke in anderen Bereichen (zum großen Teil der Dienstleistungsbereich für andere Unternehmen im Energiesektor).

Würde hier nicht quersubventioniert werden, könnten diese Gewinne aber an die Stadt fließen und für andere Bereiche genutzt werden.

Und der Radverkehr kann froh sein, wenn er mit jährlich wenigen hunderttausend Euro finanziert wird…

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